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Unerhörtes zum Auftakt

Angehörige der jungen Garde der Volksmusik entlockte zum Auftakt der Spiezer Schlosskonzerte ihren traditionellen Instrumenten neue Klänge: zeitgemäss, unverbraucht und dennoch bodenständig.

Volksmusikmatinee

«Der Auftakt zur Konzertreihe ist nach neun monatiger Vorbereitung ein spannender Moment», begrüsste Ruedi Bernet, Präsident der Schlosskonzerte Spiez, zur Volksmusikmatinee in der vollbesetzten Schlosskirche. Einiges präsentierte sich neu: der Blumenschmuck mit klaren Formen nach romanischem Stil ist von der Spiezer Blumenmanufaktur Blütenmehr gestaltet. Er verbindet die Stühle und das Programm mit den nahe aufeinanderfolgenden sieben Konzerten mit dem Bogen von volkstümlich über klassisch bis Jazz – ein kleines Maifestival. Speziell wirkte der Saisonauftakt der 66. Spiezer Schlosskonzerte 2012 am Sonntagmorgen unter dem Motto «Schon Gehörtes und Unerhörtes – junge Volks­musik­klänge».

Lebenslust und Melancholie

In den dokumentierten 1250 Jahren beherbergte die romanische Kirche vor allem geistliche Musik. «Heute erleben wir ein junges dynamisches Trio, welches das in der hiesigen Volksmusik vorherrschende Dur mit seinem Ausdruck von Lebenslust mit vielen Untertönen von Melancholie in Moll erweitern wird», verriet Bernet. Von den ersten Klängen an zogen die zwei Schwestern aus Thun Kristina (Schwyzerörgeli, Cello) und Evelyne Brunner (Schwyzerörgeli, Kontrabass) in ihren Bann. Ihr polyfones Instrumentarium ergänzte sich mit dem Bandoneon und der Gitarre des argentinischen Musikers Jonatan Blaty, der auch als Sänger mitwirkte.

Originell und bodenständig

In der Volksmusik heimisch, begannen die Schwestern im frühen Kindesalter nach Vorbild des Vaters Schwyzerörgeli zu spielen. Während der Schulzeit lernten sie die klassische Musik kennen und entdeckten das Cello und den Kontrabass. An der Schlosskonzert- Matinee erlebte das begeisterte Publikum, wie sich die beiden Instrumente auch in der Volksmusik vorzüglich einsetzen lassen. Kristina und Evelyne Brunner entlockten den traditionellen Instrumenten neue Klänge: originell, virtuos und doch bodenständig. Locker und mit einer routinierten Selbstverständlichkeit kombinierten sie und überzeugten mit fantasievollen Arrangements. Ihrem breitgefächerten Repertoire entlockten sie einerseits Stücke junger, zeitgenössischer Volksmusikkomponisten, andererseits auch alte, traditionelle Tänze. Dass sie sich für Kulturen aus aller Welt interessieren, widerspiegelte sich in ihren abwechslungsreichen Darbietungen.

Leidenschaftliche Gegensätze

Leidenschaftlich entführten die Geschwister im Duo und im Trio mit Blaty über schon viel Gehörtes hinaus in harmonisch und rhythmisch Unerhörtes und Ungewöhnliches inklusive überraschender Taktwechsel. In charmanter Manier gelang es ihnen, vielfältigste spannende Gegensätze und klingende Wechselbäder zu erzeugen und miteinander zu verbinden. Ob Tangos mit dem Instrumentarium von Bandoneon, dem kleinen (Langnauerli) oder dem grossen Schwyzerörgeli, ob Ländler, synkopisierte Polka, ein Schottisch, die Imitation eines Naturjodels in einem Zäuerli auf dem Cello gespielt, eine Motette, eine Parade, ein Valse de la rencontre, ein liedhafter Samba auf Gitarre und mit Stimme oder eine Melodie aus Buenos Aires, für alle gilt: «Tolle Musik macht Spass», äusserte der Argentinier. Viel Witz, flinke Finger und die Kombination der instrumentalen Klangfarben sorgten für einen geglückten Saisonauftakt der Spiezer Schlosskonzerte. Die jungen Talente erhielten kräftigen Applaus und begeisterte Zurufe.

Text: Berner Oberländer vom 8. Mai 2012, Heidy Mumenthaler

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