Verführungskünste an einem Winterabend

Liebesschwüre, Ver­führungskunst, Seitensprung: Der Opernabend der Schloss­konzerte mit zwei jungen Einheimischen hat zum Ende eines Wintertages Herz und Leib erwärmt – dank schöner Stimmen und kecker Darbie­tung des Ensembles Edelvoice.

Edelvoice

An heissen Sommertagen ist der Gang in die Spiezer Schlosskirche meist ein angenehm abkühlender. Am Freitagabend liefs umgekehrt: Der Winter war eingekehrt und die Kirche gut geheizt. Erwär­mendes konnte nur zu gut ge­braucht werden. Da kam ein Opernabend schon mal ganz gele­gen. Und einer, der sich um die Ir­rungen und Wirrungen der Liebe dreht, erst recht. Denn wo Emo­tionen und Leidenschaften sich entzünden, da reibt sich was und erzeugt schon mal ordentlich Wärme. Selbst dann, wenn verlet­zendes Kalkül mit im Spiel ist, wissen Opernkomponisten die al­lerschönsten und unvergessens­ten Melodien daraus zu kreden­zen. Und wenn man dann noch – wie das Ensemble Edelvoice – die grössten Hits dieser Spezies para­dieren lässt, kann man die Heiz­körper in der 1250-jährigen Kir­che wirklich runterfahren.

Keck und bewegungsreich

Und so wars dann auch: Was Ales­sandro di Cesare mit seinem fe­schen und betörenden Kavaliers­bariton, die Hilterfingerin San­dra Thomi mit ihrem variations­reichen und farbenprächtigen Mezzosopran und die frühere (Berner) Stadttheater-Sängerin Arabelle Rozinek mit ihrem ver­zückend-hellen, höhensicher ge­führten Sopran in die Waagschale warfen, hatte das Publikum in der ausverkauften Kirche (130 Per­sonen) gleich auf seiner Seite. Das Trio sang im gut einstündi­gen Programm nicht nur schön, es agierte auch keck und bewe­gungsreich, nutzte etwa die Stu­fen zum Chor fürs Bezirzen, Ver­zögern und Annähern. Oder be­zog die sich bietenden Requisiten der ästhetischen Raumgestal­tung von Barbara Peter Flück (von der Blumenfaktur Blüten­mehr) geschickt mit ins Spiel ein. Es setzte bei aller Farbendezenz in seiner Kostümwahl herrliche szenische Kontraste, ent­und verhüllte mit den transparenten Umhangtüchern. Oder benutzte den Schal – gerade im Falle von Alessandro di Cesare – als Lock-, Netz- und Fangmittel.

Feiner Oberländer Klavierpart

Der eigens für die Schlosskonzer­te kreierte Opernabend bediente sämtliche Register rund um die Thematik von Treueschwüren und Seitensprung. Dazu gehörten Ohrwürmer aus Bizets «Carmen», Mozarts «Don Giovanni», «Così fan tutte» und «Le nozze di Figa­ro», Puccinis «La Bohème», aber auch «Hoffmanns Erzählungen» von Offenbach, «I Pagliacci» von Leoncavallo, «Samsun et Dalila» von Saint-Saëns und «La Vally» von Catalani. Auch Verdis finales Duett von Radames und Aida vor deren Einmauerung fehlte nicht. Stimmen gabs dabei keine zu hö­ren. Dafür eine fein ausgestaltete Piano-Interpretation von Martin Klopfenstein, dem Taktgeber des Abends. Der Musiker aus Matten bei Interlaken spielte die von Liszt arrangierte Klavierfassung höchst berührend. Und liess ver­gessen, dass Mitte Mai Winter war.

Text: Berner Oberländer vom 18.5.2015, Svend Peternell

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