Barocke Italianità zum Abschluss

Es war eine Reise in die Vergangenheit. Was im Mai mit skandinavischem Jazz aus heutiger Zeit begann, ging nun mit italienischem Barock zu Ende: Historische Klänge einer Hom­mage an die komponierenden italienischen Geiger aus G.F. Hän­dels Entourage in London läuteten die 70. Schlosskonzerte aus.

Händels Geiger 2015

Wie gut doch so ein Cembalo und eine Laute rein optisch in die über tausendjährige Schloss­kirche Spiez passen. Dazu noch die historischen Versionen von Violine und Violoncello, und fer­tig ist das Instrumentarium, mit welchem eine Musikerin und drei Musiker die gut hundert Zuhö­renden aus der Schlosskirche nach London entführten. Thema des Abends war eine kleine Aus­wahl aus Italien angereister Gei­ger wie Nicola Matteis oder Fran­cesco Saverio Geminiani, deren Werke zur Aufführung gelangten. Sie und viele andere brachten den italienischen Barock in die Hauptstadt Englands, wo sie un­ter Händels Leitung im «Drury Lane»-Theater wirkten.
Initiantin des Programms war Barock­violinistin Hélène Schmitt aus Paris. Die lebhaft sprudelnde kleine Frau erläuter­te denn auch in überaus char­mantem Deutsch das aus Zeit­gründen etwas geraffte Pro­gramm. Und sprudelte auf ihrer Geige gleich weiter: Geschickt nutzte sie den schlanken Barock­bogen, um den Notentext als va­riantenreich ge­ar­beitete Kalli­grafie wieder­zu­geben. Mit ihrem körperbetonten Spiel und auch aufgrund der Thematik hatte die Französin entgegen der tatsäch­lichen Bekleidung definitiv die Hosen an.

Nur... mit zunehmender Kon­zertdauer wurde der barocken Italianità für Violine und Basso Continuo fast etwas viel. Im ers­ten Teil hatte Vital Julian Frey mit gewohnt eindrücklicher Mu­sikalität Teile aus Händels Sona­te in E-Dur für Cembalo solo bei­gesteuert, die er zur Erhaltung der Verträglichkeit unter den ge­spielten Ton­arten und um dem zweideutigen Titel der Konzert­reihe («Saitensprünge») treu zu bleiben mittels eines mechani­schen Seitensprungs der Tasta­tur augen­zwin­kernd nach F-Dur trans­po­nierte.
Im zweiten Teil fehlte ein sol­ches Intermezzo. Ein Lautensolo von Jonathan Rubin oder eine kurze Cellosonate mit Jonathan Pešek hätten die Farbigkeit des Programms noch erhöhen und auch die Mitglieder der aus­gezeichneten Continuo­gruppe etwas mehr ins Licht rücken können.

Text: Berner Oberländer vom 1.6.2015, Ursina Humm

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