Die Premiere ist gelungen

Das 6. Konzert der Reihe «Schlosskonzerte Spiez» sprach ein ganz junges Publikum an: Das Ventus-Quintett aus Salzburg sowie ein überaus munteres Sandmännchen alias Schauspielerin Anja Clementi holten die Kinder am Sonntag mit «Hänsel und Gretel« wortwörtlich von ihren Stühlen – auch Erwachsene.

Kinderkonzert 2015

Für einmal hatte der Pfarrer am Sonntagmorgen nichts auf der Kanzel zu suchen. Statt seiner überraschte ein blau gewandetes Sandmännchen (nun ja, in Tat und Wahrheit eigentlich ein Sandfrauchen) von ebenda herab die leider etwas reduziert er­schienene Besucherschar in der Schlosskirche Spiez mit fröhli­chem Gesang und golden glit­zerndem Sternenstaub. Die glo­ckenhelle Stimme verunmög­lichte jedoch ein allzu frühes Einnicken. Da hörte man lieber gespannt zu, was denn dieses quirlige Wesen tagsüber so macht, wenn die Stunden bis zum abendlichen Rundgang nicht ver­streichen wollen: Geschichten erzählen.
Eifrig gestikulierend, für die halt etwas gemächlicheren bern­deutschen Kinderohren in viel­leicht etwas gar flüssigem Büh­nendeutsch, dafür mimisch und stimmlich sehr abwechslungs­reich untermalt und mit lebendig umgesetzten Rollenwechseln, liess Anja Clementi die Geschich­te von Hänsel und Gretel vor sämtlichen inneren Augen er­scheinen. Die in Salzburg lebende deutsche Sängerin und Schau­spielerin sowie garantiert mär­chenhafte Mutter dreier Söhne wurde dabei tatkräftig unter­stützt: Das Ventus-Quintett, be­stehend aus vier Musikern und ei­ner Musikerin mit den Instru­menten Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Oboe nutzte mit der ei­gens zum Märchen komponierten Musik von Engelbert Humper­dinck die Akustik des Kirchenrau­mes optimal. Feine Klanggewebe lösten klar akzentuierte Episoden ab, und ob Kinderlied, Waldesrau­schen, Tanz oder Abendgebet – die fünf standen Frau Sandmanns Erzählkunst mit ihrem wachsa­men Zusammenspiel in keiner Weise nach.
Auch das Publikum erwies sich als ganz brauchbarer Mitakteur: In «Brüderlein, komm tanz’ mit mir» durften die Tanzbeine ge­schwungen und in «Ein Männ­lein steht im Walde» die Stimm­bänder in Gang gebracht werden. Doch auf der Hexe übermütigem Besenritt quer durch die Kirche traute sich dann doch nur ein ein­zelnes, mutiges Hexchen mit­zufliegen. Fazit: Premiere gelun­gen – weiter so!

Text: Berner Oberländer vom 19.5.2015, Ursina Humm

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