Schlosskonzerte suchen den Flirt

Die Schlosskonzerte wollen es wissen und treiben es bunt. Aber anständig. Die «Saiten- und Seitensprünge» sollen die Lust auf musikalische Abenteuer und allerlei mehr wecken. Am 6. Mai gehts gleich los mit skandinavischem Jazz der intensiven Art.

Iiro Rantala String Trio

Der finnische Pianist Iiro Rantala ist ein Tausendsassa. Sein Blick (siehe Bild) verrät: Er hat was vor! Die kroatische Cellistin Asja Valcic blinzelt aus der zweiten Reihe sinnenfroh in die Linse. Einzig Violinist Adam Baldych signalisiert mit verschränkten Armen abwartende Haltung. Der Einladung zum Flirt soll das aber keinen Abbruch tun. Schliesslich haben die drei am kommenden Mittwoch etwas vor: Sie eröffnen die Schlosskonzerte Spiez mit «skandinavischem Jazz der intensiven Art», wie das Programm lockt. Man darf sich auf ein Feuerwerk gefasst machen. Iiro Rantala wird schlicht als «Naturereignis an den Tasten» bezeichnet.

Grosse Seelenpein

Die Verantwortlichen der Schlosskonzerte Spiez schaffen mit einem Wortspiel speziellen Anreiz: «Saitensprünge und Seitensprünge» nennt sich das Motto des heurigen Festivals, das vom 6. bis 29. Mai über die Bühne der Schlosskirche geht. Die Saitensprünge umfassen vor allem musikalische Raffinessen und Virtuosenkunststücke, die insbesondere von den Streicherinnen, Streichern, Lautenisten sowie Pianistinnen und Pianisten erwartet werden. Die Seitensprünge hüpfen zwischen dem Konkreten dieser Wortschöpfung – das den Betroffenen meist nur beschränktes Vergnügen und ihnen selbst und dem Umfeld fast immer grosse Seelenpein beschert – und der spielerischen Auslegung hin und her. Die spielerisch-künstlerische Auslegung der Seitensprünge besagt: Die Musikerinnen und Musiker switchen durch die Stile und halten ihnen nicht unbedingt die Treue.

Trio Fellini

Nur wirkt das hier natürlich besonders stimulierend, wenn das Trio Fellini mit seinem «Classic Goes Jazz» (10. Mai) den Crossover pflegt. Oder wenn sich die beiden Quartette Amar und Terpsycordes (25. Mai) zum Oktett «vermehren» und dort Mendelssohns Werk für Es-Dur op. 20 zum Besten geben. Pikant dabei: Dass sich das Zürcher (Amar) und das internationale Genfer Ensemble (Terpsycordes) über den Röstigraben hinweg auf den Mund küssen – oder wohl besser: musikalisch die Hand reichen –, ist schon fast eine kühne Version des Sprungs auf die andere Sprachenund Kulturseite unseres Landes. Dieses Streichquartettfest, das von 17 bis circa 20 Uhr dauert, entsteht auf Initiative der Schlosskonzerte.

Opernabend stark gefragt

Da, wo der Seitensprung besonders oft ein Thema ist – in der Oper nämlich –, hakt der Abend mit Edelvoice ein (15. Mai): Hier wirken grad zwei attraktive Sängerinnen (Sandra Thomi aus Hilterfingen und die frühere Sopranistin am Stadttheater Arabelle Rozinek) mit – und ein flotter Schweizer Bariton (Alessandro di Cesare) dazu, komplettiert mit dem Pianisten Martin Klopfenstein aus Matten bei Interlaken. Sie haben von Ruedi Bernet, dem Präsidenten des Vereins Schlosskonzerte Spiez, den Auftrag erhalten, einen Opernabend zu gestalten, der «von Treueschwüren und Seitensprüngen» handelt: «Ausser der Schlichtheit in der Umsetzung haben wir ihnen keine Vorgaben für diese halbszenische Umsetzung gemacht. Es ist ihr Geheimnis, was sie an diesem Abend machen.» Vor allem ist es für diesen Anlass schon gar nicht mehr so leicht, zu Tickets zu kommen. Das Thema scheint im Oberland zu interessieren...

All die weiteren Sprünge

An weiteren Sprüngen fehlt es nicht: Das Balkanes Vokalquartett (8. Mai) pendelt zwischen erdverbundenen und sphärischen Klangwelten Bulgariens hin und her. Was es mit poetischer Liebe und Verbundenheit auf sich hat, werden drei Pianistinnen aus dem Osten (Ukraine, Japan und Georgien) im festen Programmteil «Jung und leidenschaftlich» am Beispiel von Mendelssohn, Schumann und Brahms auf ihren Reisen durchs Oberland zeigen. Das Ventus Quintett Salzburg wird am 17. Mai sowohl das morgendliche Kinderkonzert (Humperdincks «Hänsel und Gretel») wie das nachmittägliche Bläserkonzert zum Thema Seitensprung bestreiten. Das Abschlusskonzert (29. Mai) mit dem Titel «Händels Geiger» zelebriert die bekannten italienischen Stargeiger der Barockzeit. Hier wirkt auch der Steffisburger Cembalovirtuose Vital Julian Frey mit. Auf welche Sprünge er sich wohl einlassen wird?

Text: Berner Oberländer vom 1.5.2015, Svend Peternell

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