Eine Reise von tausend Jahren

Text: Berner Oberländer vom 06.05.2016, Heidy Mumenthaler; Bild: Markus Hubacher

Am Auffahrtstag gab es in der Schlosskirche musikalische Bilderwelten aus Byzanz zu geniessen. Das Sonderkonzert zum Auftakt der 70-jährigen Spiezer Schlosskonzerte wurde dem Festtag voll gerecht.

2016 Chœur Yaroslavl

Der Auftakt zu 70 Jahre Schlosskonzerte Spiez vom Auffahrtstag war in der Tat ein Sonderkonzert, das gemeinsam mit und auf die Initiative der Stiftung Schloss Spiez durchgeführt wurde. «Dies ist eine gute Gelegenheit, der Stiftung und den Betreibern für ihre Gastfreundschaft für die Konzertreihe zu danken», sagte der künstlerische Leiter Ruedi Bernet, der die gute Zusammenarbeit sehr schätzt.

Die Ausführungen des Kunsthistorikers Roland Böhmer zu den geheimnisvollen Fresken der Schlosskirche bildeten einen Teil des Konzertes. Im ursprünglichen Bildprogramm sass in der Kreuzkuppel Maria mit ihrem Sohn im Schoss, was im 12. Jahrhundert von einer Himmelfahrtsdarstellung übermalt wurde, die Jesus umgeben von den vier Evangelisten zeigt.

«Ich habe 27 Jahre darauf gewartet, speziell an einem Auffahrtstag darüber zu einem interessierten Publikum zu sprechen, was im Vergleich zur über tausendjährigen Geschichte der Kirche nur eine kurze Zeitspanne des Wartens bedeutet», sagte Roland Böhmer augenzwinkernd.

Mit sphärischen Klängen

Aus Neuenburg war der im 2008 gegründete Chœur Yaroslavl angereist. Unter der Leitung von Yan Greppin wurden die Zuhörenden mit auf eine tausendjäh­rige Reise in die fremden Welten des orthodoxen Gesangs von Griechenland, Georgien, Rumänien, Armenien und Russland entführt. Das Himmelfahrtsthema kam in aufbauenden Einsätzen, aufsteigenden Melodien und in anhebender Gestaltung der fünfzehn Sänger (sieben Frauen und acht Männer) zum Ausdruck.

Vorab ertönte Paul Constanti­nescus «Herr erbarme dich» aus dem Untergrund der Krypta. Danach stieg der Chor die Treppen hoch. Spannend entrückte der Chor in sphärische Klänge, die Engelhaftes, Himmlisches und eine Ahnung des göttlichen Geheimnisses ausdrückten.

Unterschiedliche Farben der wechselnden Formationen und Solostimmen liessen aufhorchen. Die Ost- und die Westkirche sind theologisch und in den liturgischen Gesängen unterschiedliche Wege gegangen. Erst durch die Kreuzzüge und später die ­Pilgerfahrten ins Heilige Land trafen sich die beiden Welten wieder. Vor allem die orthodoxe Liturgie und Bilderwelt wirkten fruchtbar auf die römische Kirche ein. Viele dieser Gesänge stammen aus Klöstern, sie sind in der orthodoxen Kirche auch heute viel lebendiger und verbreiteter.

Texte übersetzt

Die Übersetzungen der russischen und griechischen Texte konnten im Programmheft nachgelesen werden. Viele Besucher zogen es jedoch vor, sich den Gesängen hinzugeben, zu lauschen, die Ruhe und den Klangfluss hörend und meditierend auszukosten. Eine himmlische Musik – die dem Festtag voll gerecht wurde.

 

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