Wo Füri hinsteht, brennt immer ein Feuer

Bildbericht: Berner Oberländer vom 16.05.2016, Svend Peternell

Sopranistin Ursula Füri-Bernhard will nach den Opernbühnen jetzt auch die Jazz-, Gipsy- und Musicalwelt erobern. Am dritten Schlosskonzert in Spiez machte sie mit dem Balagan-Ensemble einen vielversprechenden Auftakt in diese Richtung.

Ursula Füri-Bernhard

Wo Füri draufsteht, da ist auch Feuer drin. Und wer, bitte, liess sich an diesem verregnet-unfreundlich-kühlen Freitagabend in der Schlosskirche nicht auch gerne mitreissen, um die Wärme zu finden? So war denn der künstlerische Leiter Ruedi Bernet froh, dass sich die Wege der Schlosskonzerte Spiez und jene der Füris (ob Thomas oder die um Bernhard erweitere Ursula spielt keine Rolle) nach längerer Pause wieder mal kreuzten. Dazu ist ein Jubiläum wie die 70 Jahre, die heuer gefeiert werden, alleweil eine gute Gelegenheit.

Eine Welturaufführung

Wer also eine Ursula Füri-Bernhard herzubitten vermag, die vor nicht allzulanger Zeit die Arena von Avenches, das Stadttheater Bern und renommierte Opernhäuser im deutschsprachigen Raum mit Arien von Verdi, Puccini und Wagner in Beschlag nahm, darf und muss mit einem vollen Haus rechnen. Erst recht, wenn eine Sängerin von diesem Kaliber beschliesst, neue Wege zu gehen und also dem Organisator quasi eine Welturaufführung in den Ärmel spielt. Neue Wege, genau «ein feuriger Abend und eine Träne Melancholie» waren gemäss Programmtitel angesagt.

Das lässt sich auch mit operettenseligen und von Csardas knisternden Melodien bewerkstelligen. Aber das ist nicht der wirkliche Wandel, den die 54-Jährige mit der sprühenden Vitalität und dem geerdeten Background (sie ist eine Bauerntochter aus Ballmoos) demonstrieren will. Ihr steht der Sinn vielmehr nach Jazz, Gipsy und Evergreens. Nach Chanson, Musical und Cabaret.

Nach Mikrofon statt Freigesang. Nach tieferer, rauerer Stimme mit erweiterten Farben und Facetten statt reinem Sopran. Nach der Lust, zwischen West und Ost zu switchen. Und danach, mit einem phänomenalen Geiger (Karel Boeschoten) und drei Roma-Kalibern von unverwechselbarer Eigenständigkeit und Spielfreude neue Horizonte zu erschliessen – Feuerentfachen inklusive.

Vorerst Herantasten gefragt

Ein Neuanfang mit so improvisationsfreudigen Musikern wie denjenigen des Balagan-Ensembles ist natürlich genau das Ding für die quirlige Stimmgewaltige, die selber eine unerhörte Präsenz und Ausstrahlung an den Tag legt. Am Freitag ist vorerst Herantasten an die vier Eigengewächse gefragt. Es zeigt sich bald einmal:

Daniel Boeschoeten ist ein exquisiter (Steh-)Geiger, gleichermassen mit Verve und Sentiment, mit Raffinesse und Souplesse ausgestattet.

Giani Lincan wirkt als ebenso kreativ-lustvoll-witziger wie kaum zu bremsender Gestalter am Zymbal.

Zsolt Boni gibt am Kontrabass eine sowohl gemüt- wie kraftvolle Stütze mit prägenden Taktgeberqualitäten ab.

Aurel Budisteanu lässt das fast verschüchtert Zurückhaltende seines Wesens in unaufdringlich fliessenden Akkordeonlinien hörbar werden, die in seinem Solo aber auch zeigen, dass er aus sich herauskann – und wie!

Der Konzertauftakt wird der Bernerin nicht wirklich vereinfacht. Die Verstärkeranlage erreicht nicht die erforderte Qualität. Am Mikrofon bleibt die Verständlichkeit eingeschränkt. Retuschen in der Pause erhöhen die Qualität für den zweiten Teil. Die musikalische Reise zwischen Zigeunerweisen, russisch-rumänischen Volksliedern, Edith Piaf, George Gershwin und Louis Armstrong gewinnt nun merklich an Drive, Farbigkeit und – eben ja – Wärme. Armstrongs «What a Wonderful World» wird zum prägenden und vielbeklatschten Motto des Abends. In diese «wunderbare Welt» ist auch Ursula Füri-Bernhard eingetaucht. Auf dass sie ihr Glück und Erfolg bringe.

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