Alltägliches, das zum Nachdenken anregt

Text: Berner Oberländer vom 23.05.2016, Lotte Brenner; Bild: Markus Hubacher

Alltagsgeschichten bringt Franz Hohler literarisch auf den Punkt. Musikalisch von Evelyn und Kristina Brunner aufs Feinste begleitet, fand seine Lesung vom Freitag im Rahmen der Schlosskonzerte grossen Anklang.

Franz Hohler

Dass die Schlosskirche Spiez ausverkauft war, verwundert nicht. Gelingt es doch dem Intendanten der Schlosskonzerte, Ruedi Bernet, von Jahr zu Jahr erneut, äusserst spezielle Anlässe mit hochkarätigen Künstlern zu organisieren.

Am Freitag waren dies der bekannte Schweizer Autor Franz Hohler und die beiden Volksmusikerinnen Evelyn und Kristina Brunner, die das Publikum auf der Orgel, dem Cello und dem Kontrabass virtuos gekonnt und sehr sinnig, meditativ in andere Welten geleiteten, etwa ins blumige Fantasiereich von Franz Hohler.

Gegensätzliches

Was vordergründig leichtfüssig, humorvoll daherkommt, regt in Hohlers Wortlaut oft zum Nachdenken an. Kaum beachtete Geschehnisse gleich um die Ecke hinterfragt Hohler kritisch. Er rückt Details in den Vordergrund. Nicht selten kehrt er rhetorisch geschickt die Sache einfach um – es entsteht dann aus einer heiteren Angelegenheit eine ernste Lebensfrage oder auch umgekehrt.

Evelyn und Kristina Brunner

In seiner kritischen gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung erinnert Hohler ein wenig an Urs Widmer mit den helvetischen Geschichten. Ob aller Ironie und manchmal fast etwas zynischer «Schweizmalerei» bleibt beiden Autoren etwas gemeinsam: die echte Liebe zum Heimatland.

Franz Hohler schöpft immer wieder aus seiner Jugendzeit. In seiner Literatur finden sich Menschen wieder, die sich ein Stück Kindheit bewahren konnten. Trotzdem ist der betagte, immer junge Hohler sich bewusst, dass das Leben begrenzt ist. Eindrücklich ist die Geschichte des Fischleins (er selber ist im Sternzeichen Fische geboren), das unbeschwert, heiter das Leben im Wasser mit allen Facetten der Behaglichkeit geniesst, wohlbewusst, dass auch es eines Tages an des Todes Angel anbeissen werde.

Diese wie über fünfzig andere Kurzgeschichten sind kürzlich im Verlag Luchterhand erschienen und im Buchhandel, so auch im Bücherperron Spiez, er­hältlich.

 

Der Konzertauftakt wird der Bernerin nicht wirklich vereinfacht. Die Verstärkeranlage erreicht nicht die erforderte Qualität. Am Mikrofon bleibt die Verständlichkeit eingeschränkt. Retuschen in der Pause erhöhen die Qualität für den zweiten Teil. Die musikalische Reise zwischen Zigeunerweisen, russisch-rumänischen Volksliedern, Edith Piaf, George Gershwin und Louis Armstrong gewinnt nun merklich an Drive, Farbigkeit und – eben ja – Wärme. Armstrongs «What a Wonderful World» wird zum prägenden und vielbeklatschten Motto des Abends. In diese «wunderbare Welt» ist auch Ursula Füri-Bernhard eingetaucht. Auf dass sie ihr Glück und Erfolg bringe.

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