Ein "trauriger" Abschluss

Text: Berner Oberländer vom 29.5.2019, Orith Tempelman; Bild: Markus Hubacher)

Mit einer Totenmesse endeten die diesjährigen Spiezer Schlosskonzerte. Interpreten der Trauermusik waren die Basler Madrigalisten unter der Leitung von Raphael Immoos.

Basler Madrigalisten

Die diesjährigen Schlosskonzerte Spiez standen ganz im Zeichen des Klammerthemas Farben. Sie hatten am 6. Mai mit einem feurigroten Flamenco-Experiment mit Cembalo und Tanz begonnen und endeten am vergangenen Sonntag mit einer dunklen Totenmesse. Man hätte befürchten können, dass ein Requiem zum Schluss einer Konzertreihe in der Erinnerung nachwirkend einen Schatten auf alle Veranstaltungen werfen könnte.

Doch der Titel des Konzerts der Basler Madrigalisten entkräftete diese Befürchtungen schon im Voraus: Farben der Trauer und des Trostes. Das letzte Wort sollte also tröstlich sein – und genau so endete das Requiem des spanischen Priesters und Komponisten Tomás Luis de Victoria, nämlich mit den Worten: «Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.»

Alltagssprachlich wird Schwarz als eine Farbe angesehen; in der Fachterminologie gilt Schwarz jedoch als unbunte Farbe, da ihm die Farbigkeit, die Buntheit fehlt. Für das unter der «Farbe» Schwarz stehende Konzert der Basler Madrigalisten wäre aber eine solche Definition völlig unpassend. Das professionelle Vokalensemble gab dem sechsstimmigen Requiem officium ­defunctorum wunderschöne, ­berührende und durchaus auch helle Klangfarben.

Es ist nicht erstaunlich, dass es 1605 für die Feierlichkeiten zur Beisetzung der Kaiserin Maria von Spanien bereits auf seine Zeitgenossen einen grossen Eindruck hinterliess und danach auch sehr schnell zum Klassiker der Spätrenaissance avancierte. Obwohl das polyfone Werk ursprünglich als Chorwerk kom­poniert wurde, enthüllte dessen rein solistische Ausführung eine enorme Bandbreite an musikalischen Nuancen, begünstigt auch durch variierende Standorte der Sängerinnen und Sänger. Besonders be­ein­druckend war diesbezüglich das abschliessende «Libera me», das in der Krypta gesungen wurde und wie aus weiter Ferne erklang.

Als erfrischende Zugabe sangen die Basler Madrigalisten ein Lied von Othmar Schöck, quasi als Kostprobe ihres kommenden Konzerts vom 11. Juli in der Stadtkirche Thun.

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