Schlosskonzerte Spiez

Das Norea Trio spielte zum Abschluss der Schlosskonzerte Spiez
in der Schlosskirche zwei monumentale Werke mit unterschiedlicher Ausstrahlung.

Das Norea Trio spielte zum Abschluss der Schlosskonzerte Spiez (v.l.): Hyunjong Reents-Kang, Violine; Petya Mihneva Falsig, Klavier; Eva Lüthi, Violoncello.
Foto: Steve Wenger

«Das Schiff landet nun mit diesem Konzert im heimatlichen Hafen», begrüsste Präsidentin Ursina Humm die Gäste zum Abschlusskonzert dieser Saison der Schlosskonzerte Spiez. Dabei spielte sie auf das Schiff auf dem Programmheft an, welches das Team der Schlosskonzerte symbolisierte. Ihr Dank galt der Besatzung, also dem Team, und den Passagieren, dem Publikum, für das gelungene Festival.

Ein besonderer Dank galt dem künstlerischen Leiter Samuel Justitz, dessen Handschrift sich bei der Programmplanung wunderbar durchsetzte. Der wiederum betonte mit warmen Worten das gute Gefühl, das er gehabt habe, Ursina Humm als eine starke Persönlichkeit an seiner Seite zu wissen.

Der neue künstlerische Leiter hiess aber nicht nur das zahlreich erschienene Publikum herzlich willkommen. Er als Cellist und seine vier Kolleginnen und Kollegen Matthias Bruns und Ola Sendecki (Violinen), Lech Antonio Uszynski (Viola) und Melda Umur (Kontrabass) begleiteten die bekannte Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis als Streichquintett aus dem EnsembLesAlpes.

Irische Rhythmen entzückten

Das Norea Trio mit Hyunjong Reents-Kang (Violine), Eva Lüthi (Violoncello) und Petya Mihneva Falsig (Klavier) begann mit einem «Trio über irische Volkslieder» des Schweizer Komponisten Frank Martin. Die durchweg folkloristisch gefärbten Sätze, die das Publikum gefangen nahmen, stammen aus dem Jahr 1925. Martin hat in seinem Trio auf jede kunstvoll-kontrapunktische Ausarbeitung der Themen verzichtet und Volkslied an Volkslied gereiht, in klanglich-harmonischer, vor allem aber rhythmischer Verarbeitung.

Warum gerade irische Volksweisen das Ohr entzücken, ist schnell erklärt. Die Melodien weisen den dorischen Modus auf, der auch in angelsächsischen Shanties wie bei «What Shall We Do with the Drunken Sailor» zu finden ist. Wer im Publikum an Michael Flatley als «Lord of the Dance» denken musste, assoziierte goldrichtig. Die atemberaubenden Rhythmen, die Martin in seinem Trio vereinte, spielte das Norea Trio mit virtuoser Brillanz bis hin zum mitreissenden und schwungvollen Finale.

Düsterer Dvorak berührte

Als zweites Werk präsentierte das Norea Trio Antonin von Dvorak das «Trio f-Moll für Klavier, Violine und Violoncello, op. 65», das mit einer halben Stunde Dauer fast sinfonische Ausmasse aufweist. Der erste Satz beginnt mit dem melancholisch-zarten Hauptthema der Streichinstrumente, vom Klavier kraftvoll beantwortet. Die Motive der beiden Mollthemen durchziehen den gesamten Satz in immer neuen Varianten.

Der erste Satz wirkt ausgesprochen düster und dramatisch, bis sich ein jubelnder volksmusikalischer Hymnus durchzusetzen scheint. Gegen Ende freilich überlagern die melancholischen Schatten des Hauptthemas den Jubel und münden in eine Stimmung mit schluchzender Süssigkeit und herrlich trübselig bis hin zur überschäumenden Lebensfreude.

Denn im zweiten Teil werden die Themen klanglich opulent gesteigert und münden in einen versöhnlichen Schluss mit tänzerischen Zügen. Dvorák komponierte das starke Stück nach dem Tod seiner Mutter und einer schweren Depression, die sich zuweilen in der Komposition Gehör verschafft.

Die drei Musikerinnen spielten in einer symbiotischen Perfektion und hinreissender Interpretation, was nicht zuletzt ihrer 20-jährigen Trio-Erfahrung zu verdanken ist. Das Publikum erklatschte sich als Zugabe ein russisches Lied von Michail Glinka, bevor es zum Apéro von der kühlen Kirche in die Sonne vor dem Schloss geladen war.

Hyunjong Reents-Kang vom Norea Trio überzeugte an der Violine.
Foto: Steve Wenger

(Bildbericht: Berner Zeitung vom 29.05.2023. Text Christina Burghagen; Fotos Steve Wenger)

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